Alte Briefe Am Trakt – Aulie-Ata – USA. Teil 2. Brief Nr. 104 S. 068-069

Liebe Anna! Da ich immer glaubte, dass wir bald einmal hinkommen würden, unterließ ich das Schreiben, denn mündlich geht es doch viel besser. Wenn es auch bald geht, muss ich doch erst anfragen, wie es dort mit den Pocken steht. Für die Justine wird es uns doch immer zu kalt sein, und wir, glaube ich, dürfen keine Ansteckung fürchten, doch schreibe was du glaubst.

Alte Briefe Am Trakt – Aulie-Ata – USA. Teil 2. Brief Nr. 102 S. 056-058

Mein lieber Sohn Johannes! Mache dir doch keine Vorwürfe über mein Hiersein. Es ist jedenfalls so des Allmächtigen Vaters Wille, um uns durch seine Prüfungen mehr zu sich zu ziehen. Ich bin von der Welt, soviel ich weiß, los, aber ich weiß, mir fehlt noch vieles, was nicht recht ist, denn kommt etwas vor, ist es vom Dienst=Mädchen, oder sonst etwas, regt es mich danach oft auf, denn Justine hat ein Mädchen, auf wie lange, weiß ich nicht, die aber immer das Wort zu führen hat und solches ist für mich schwer zu hören.

Alte Briefe Am Trakt – Aulie-Ata – USA. Teil 2. Brief Nr. 100 S. 047-050

Geliebte Kinder! Herzlichen Dank für eure trostreichen Worte, ja es geht ein Jahr nach dem anderen dahin, und man weiß nicht, ob man besser, oder gar weniger geworden ist, denn es kommen so viele Versuchungen, dass es kaum möglich ist zu widerstehen, denn es ist, als kommt der Feind mit Macht, jetzt noch im solchen Alter und sieht durch Verdruss und Kränkung einen aufzuregen, ich weiß nicht, lässt es der Herr zu, um nur zu prüfen?

Alte Briefe Am Trakt – Aulie-Ata – USA. Teil 2. Brief Nr. 98 S. 039-043

Lieber Bruder Johannes! Gottes Innewohnen wünsche ich dir zum Gruß. Bald naht der Tag, an dem du ein halbes Jahrhundert Gast und Fremdling in dieser Welt bist, eigentlich gesagt - sein solltest, denn wir alle haben ja seiner Zeit das Wesen dieser Welt nur zu lieb gehabt und in unbewachten Stunden wohl auch [immer] noch, denn der alte Mensch ist ein richtiger Weltbürger das Gast und Fremdling sein kann also nur den neuen Menschen betreffen und der ist ja so alt noch nicht.

Alte Briefe Am Trakt – Aulie-Ata – USA. Teil 2. Brief Nr. 92 S. 019-021

Liebe Schwägerin! den besten Dank für die paar Zeilen, die du mir gesandt, wenn es auch nur wenig ist, freue ich mich doch sehr darüber und sehe zuerst, wenn ein Brief ankommt, ob nicht ein paar Zeilen von dir dabei sind und wenn ich dann nichts finde, bin ich ganz enttäuscht, ebenso geht es den Kindern, die freuen sich so sehr, wenn auch ein Briefchen für sie da ist.

Alte Briefe Am Trakt – Aulie-Ata – USA. Teil 2. Brief Nr. 88 S. 007-009

Geliebte Kinder! Am 9ten abends erhielt ich deinen Brief. Da ich am Lesen begriffen war, und es mir schon zu dunkel wurde, gab ich selben Robert zu lesen, welcher ihn laut vorlas. Da H. Ott, auch Geschäfte halber zu uns gekommen war, denn Robert wollte folgenden Tag mit 2 Schlitten nach Taschkent fahren, mit Schweinefleisch, Butter und Käse, so hörte Ott auch was du geschrieben hast.

Übergang auf kollektive Wirtschaftsführung

Schon 1929 wurde in den Dörfern der deutschen Ansiedlung Aufklärungsarbeit für gemeinsame Wirtschaftsführung getrieben. Auf den Dorfsversammlungen wurde für Bildung von landwirtschaftlichen Genossenschaften (Artels) agitiert. Es wurde betont, was für ein Vorteil diese Artels für die Armbauern, auch für die Mittelbauern haben könnten, wieviel produktiver die neue Zugkraft, der Traktor, ausgenutzt könnte werden. Welche Vorteile diese Wirtschaftsführung für die einzelnen Familien haben könnte, wo es möglich wäre die kleinen Kinder in Kindergärten unterzubringen. Auch wurde darauf hingewiesen wieviel leichter es wäre, sehr schwere Arbeiten gemeinsam zu verrichten. Es gab auf solchen Versammlungen Meinungsverschiedenheiten, heftige Wortgefechte für und wider diesem Vornehmen. - Wir haben schon gesehen, dass solche Genossenschaften nicht aus der Armut kommen können! Meinten einige auf die Genossenschaft vorwärts hindeutend. – Hör doch auf! „Vorwärts“ bekam das schlechteste Land! meinten andere – Ist das wohl mit unserem Land zu vergleichen? – Der Bauer ist nicht gewöhnt gemeinsam zu leben und zu arbeiten. Er will selbstständig sein, seine Kraft in sein eigenes Land einsetzen. – Aber das Land bleibt auch unser Land! Kann wohl nicht jeder mit Kräften mithelfen, unser Reichtum zu vermehren? – Aber wenn einer mit voller Kraft seine Siele zieht, und der andere nebenan hemmen wird. Wie bringst du das zusammen? – Dem Faulen kann ja man weniger zahlen! – Sowas gab es noch nicht in der Welt! – Und doch! - meinte ein. Belesener Bauer.–Denkt an Jakob Hutter aus Tirol! Und der erzählte den anderen, dass Jakob Hutter in Tirol auch in mehreren ....

Fritz van Bergen Sammlung

Das Material stammt aus der Sammlung des Lehrers Fritz von Bergen und es befand sich unter den Unterlagen von Hermann Thiessen (verstorben), dessen Sammlung ich aufgekauft habe. Hermann Thiessen hat dieses Material durchgearbeitet und daraus Index Karten gemacht. Diese sind in dieser Tabelle unten als PDF Dateien mit den entsprechenden Namensbuchstaben zusammengefasst. Darunter sind zirka 1700 Karteikarten.

Alte Briefe Am Trakt – Aulie-Ata – USA. Brief Nr. 84 S. 268-270

Geliebte Kinder! Zuerst komme ich zu dir, lieber Johannes, es hat die Uhr bei uns jetzt 11 geschlagen, und vielleicht bei euch wohl noch etwas zu früh zum Glückwunsch, aber nimm es schon so vorlieb. Ich kann nur unsern himmlischen Vater, durch unsern Herrn Jesum Christus, bitten, dass er dich samt deiner lieben Familie gesund erhalten, und besonders dich noch recht lange den deinen, mit Kraft und Geduld, zu des Herrn Ehre stärken wolle aus Gnade!
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