Die Tragödie von Masljanowka (1918)

Ein Beitrag von Eugenia Löwen. Sie schreibt:
„Ich besitze Originaldokumente zur Familie Peter Löwen aus Masljanowka, die ich Ihnen zur Verfügung stellen möchte:

​​Beerdigungsfoto: Eine Aufnahme der 6 Särge vom 25.03.1918, die die Opfer (u.a. Mutter Maria Penner und die Töchter) eindeutig identifiziert.

Die Tragödie von Masljanowka (1918)
1. Klärung der verschiedenen Daten (Kalenderunterschiede)
In den Dokumenten tauchen unterschiedliche Daten auf, was an der Kalenderreform in Russland während der Revolutionszeit liegt:
Alter Stil (Julianischer Kalender): Der Überfall geschah in der Nacht zum 17. März 1918. Die Beerdigung fand am Sonntag, den 25. März 1918 statt.
Neuer Stil (Gregorianischer Kalender): Abram Löwen schreibt in seinem Lebenslauf vom 1. April 1918. Dies entspricht genau dem 17. März des alten Kalenders (13 Tage Differenz).
Verzögerung der Nachricht: Der Zeitungsbericht in der Friedensstimme erschien erst am 31. August 1918, da die Briefe aus Sibirien aufgrund der Kriegswirren Monate unterwegs waren.
2. Die 6 Opfer im Haus (Die 6 Särge)
In der Tatnacht wurden insgesamt 6 Personen ermordet. Das Foto der Beerdigung zeigt 6 Särge, in denen die Verstorbenen als „Gottes Kinder“ weiß gekleidet liegen:
Peter Löwen (Vater / Hausvater) #1668100
Maria Löwen (geb. Penner) (Mutter / Hausmutter) #1668101
Zwei Schwestern (Aganeta und Senta, die leiblichen Töchter)
Ein Glaubensbruder (Ein getauftes Mitglied der Gemeinde, der geistlich als „Bruder“ zur Familie gehörte Johann Braun)

 Ein Fremder (vermutlich Nachmieter von Beruf Lehrer) 
3 . Die Situation der drei leiblichen Söhne
Es gab insgesamt drei leibliche Söhne, von denen zwei überlebten:
Franz Löwen: War am Vortag mit seiner Tochter Elisabeth abgereist und somit in Sicherheit.
Peter Löwen (Sohn) #1668102: Wohnte im Haus gegenüber und blieb von den Räubern unentdeckt.
Abram Löwen #1668103: War als einziger Sohn im Elternhaus anwesend. Er überlebte schwer verletzt trotz zahlreicher Wunden und rettete sich zu seinem Bruder Peter.
4. Geistliche Bedeutung
Der Begriff „Bruder“ in Abrams Bericht bezog sich auf die geistliche Geschwisterschaft. Da alle Opfer bekehrt und getauft waren, wurden sie als eine Gemeinschaft von „Brüdern und Schwestern“ im Herrn bestattet. Dies erklärt das weiße Gewand als Symbol der Reinheit und der Bereitschaft für die Ewigkeit, wie sie eine der Schwestern kurz vor dem Tod ansprach.“

Willi Frese

Willi Frese

Genealogie ist ein spannendes Hobby, bei dem die Zeit vergeht, wie im Flug. Das riesige Glück, dass ich in den letzten Jahren hatte, war die Entdeckung von zwei Tagebüchern, die mich auf die Reise in die Vergangenheit mitgenommen und den Einblick in das Leben meiner Vorfahren Wall, Fröse und Ekkert ermöglicht haben. Die Aufarbeitung der entdeckten Dokumente tragen einen großen Beitrag zu der Erforschung der Kolonie Am Trakt, ein Teil der Deutschen Geschichte, bei. Mit 30 bin ich mit meiner Frau und beiden Söhnen aus Sibirien nach Deutschland gekommen. Mit 40 hat mich mein Arbeitskollege Manfred E. für seine Begeisterung, die Ahnenforschung, angesteckt. Mit 50 lernte ich Willi Vogt kennen, der mich ermutigte bei ihm mitzuwirken.
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