Alte Briefe Am Trakt – Aulie-Ata – USA – Brief aus Romanowka, Nr. 2, S. 004 – 006

Alte Briefe Am Trakt – Aulie-Ata – USA – Brief aus Romanowka, Nr. 2, S. 004 – 006

Abgeschrieben von Elena Klassen; nachbearbeitet und korrigiert von Willi Frese, Willi Risto und Alexander Wiens

Am Trakt – Aulie-Ata – USA Briefe; Hinweis von Irene Plett. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von The Mennonite Library und Archiv (MLA) in Kansas, USA. Das MLA hat im Bestand alte Briefe aus dem Nachlass der Familie Bartsch.

Link zu MLA Briefe: Am Trakt – Aulie-Ata

Die in dem Link angezeigten Briefe wurden vom Trakt nach Aulie-Ata, Turkestan (Romanowka, Köppental, Hohendorf, Gnadenthal) und umgekehrt, unterwegs im Großem Trek (Serabulak), oder aus Aulie – Ata nach Amerika verschickt. Da in vielen Briefen kein Datum steht, ist die Reihenfolge der veröffentlichen Briefen falsch.

Die Briefe stammen aus der Zeit 1882 – 1896 (erster Teil, es folgen noch zwei Teile). Die sind in altdeutscher Schrift verfasst. Je nach Zeit und Möglichkeit, werden wir die transkribieren und veröffentlichen.
Wir versuchen die Briefe originalgetreu abzuschreiben, doch es gibt einzelne Wörter, die man nicht eindeutig erkennen kann. Entweder sind es Gegenstände, die uns nicht bekannt sind, oder Regionalwörter. Nach Möglichkeit sind auch Grandma Nr. und weitere Kommentare eingefügt.

Die Briefe selber sind im Link nicht nummeriert, so haben wir eine eigene Nummerierung für jeden Brief eingefügt und für jede Seite wurde die Nummerierung aus dem Web (s. im Link ganz oben rechts) übernommen.

S. 004
1 Romanowka, den 10. Febr.
Geliebte Geschwister Bartsch2!
Deinen Brief lieber Schwager
worinnen du uns unsere Schuld
quittiert hast, haben wir erhalten, so beeilen wir uns
denn hiermit unseren Dank für die nicht
unerhebliche Summe abzustatten.
Ja, unsere Bitte ist, unser himmlischer
Vater möge es Euch reichlich vergelten.
Einige Tage nach deinem Brief,
kam auch Br. W. Penner3 hier an,
er hatte 14 Tage von Marienburg
bis hier gebraucht. Der Herr hat ihn
sicher durch alle Unruhen hindurch
geführt, nur hat er etwas Fieber,
so hatten wir dann gleich auch Eure
schriftliche, auch mündliche Nachricht.
Nur schade, dass er sich so wenig bei
Euch aufgehalten hat, und bei Koppers
gar nicht gewesen ist, folge dessen
kann er uns gar zu wenig von sich
erzählen.

S. 005 (links)
Da unsere Schule gegenwärtig
47 Schüler hat, so kann uns Lehrer
in 2 Sprachen nicht mehr genug leisten
und da wollen wir denn an
unsere Schule eine Klasse anbauen
und noch einen deutschen
Lehrer anstellen und da haben
wir Br. Wilhelm Penner die Stelle
angetragen. Er sagte er möchtet sie
auch gerne annehmen, nur müsse
er erst Gottes Wille darüber haben,
und erst noch nach Chiwa fahren,
und die Sache dort ordnen.
Wie wir durch den Pristaw gehört
haben, haben die Kirgisen am
Tschu zu 2 Dörfer Land an den
Natschalnik zur Besiedlung übergeben
davon sollen wir Mennoniten
zu einem, Dorfe bekommen.
Der Natschalnik ist gegenwärtig
in Taschkent und da glauben
wir, ob er vielleicht auch diese Sache
mit dem Generalgouverneur
besprechen wird, und dann wollen

S. 005 (rechts)
schon manche zur Saatzeit dorthin
ziehen worunter auch unsere Brüder.

Br. P. Hamm4 ist gegenwärtig auf
der Reise nach Werno mit Käse.
Peter ist mitgefahren, und Franz ist
zuhause krank geworden am Gelenk
Rheumatismus, doch etwas besser. Die
andere, auch bei D. Hamms5 gesund.
Heute bekamen wir die Nachricht das
in Orlof die Frau des Kolonisten
Jacob Ott gestorben ist. Sie hat schon
lange schwer krank gelegen, am Magenkrebs.
Soviel ich weiß, kann man auch von
ihr sagen, sie ist eingegangen zu ihres
Herrn Freude. Hier in Köppenthal
liegen noch 2 Frauen schwer krank,
die eine ist Schw. Abrahams und die
andere Schw. Heinrich Neumann. Bei
ersterer verwirren sich schon die Gedanken,
es ist das Malaria Fieber, es scheint,
dass der Herr auch sie bald heimholen
wird. Letztere die Schwiegertochter
von P. Neumann, und leidet an
Brustkrebs.

S. 006
Jetzt noch etwas über die Zeichen der
Zeit. Hierüber hat Br. W. Penner ein
Buchchen6 mitgebracht, welches uns vieles
berichtet, was uns die Zukunft
unseres Herrn und Heilandes recht nahe
hinstellt. So führt es besonders das Wirken
der Juden an, um wieder in ihr Land zu
kommen, und dass sie schon anfangen den
Tempel zu bauen, so sollen in Italien
schon Säulen und kostbare gegossene
Erz Tore gefertigt werden auch sollen Amerikanische
Juden das Geld zum bauen
des Tempels angeboten haben. Der Fluch
welcher seit Jahrhunderten auf dem heiligen
Lande ruht, weicht da Gott den Frühregen
und Spätregen wiedergibt, der seit beinahe
1900 Jahren ausgeblieben war. Die Weissagung
Jeremia 31, 38 hat sich vor einigen Jahren
wörtlich erfüllt, als ein Baumeister einen
neuen Stadtteil in Jerusalem anlegte
und hierbei auf die Grundmauern des
Turmes Hananeel stieß, und seine Richtschnur
nach des Königs Kelter gesteckt hatte
(Vergl.Sachar.14,10.) Dann noch eine Weissagung
steht Hosea 3,4.5. worauf sich die Juden in
der letzten Zeit wieder zum Herrn bekehren
werden und dieses fängt auch an in
Erfüllung zu gehen.
Mit herzlichen
Gruß Eurer Br. Jacob Hamm7

1 Willi Frese. Dieser Brief wurde von Jacob Hamm GRANDMA #111788, (1844-1911) an seine Schwester Anna (Hamm) und Johannes Bartsch geschrieben.
2 Willi Frese. Geschwister Bartsch=Anna (Hamm) GRANDMA 13901 und Johannes Bartsch GRANDMA #31536
3 Elena Klassen. Bruder Wilhelm Penner
4 Willi Frese. Vermutlich Peter Hamm GRANDMA #127064, (1845-?)
5 Willi Frese. Vermutlich Dietrich Hamm GRANDMA #117400, (1850-?)
6 Willi Risto. Buchchen=kleines Buch.
7 Willi Frese. Jacob Hamm GRANDMA #111788, (1844-1911)

Elena Klassen

Elena Klassen

Elena Klassen ist seit 2012 dabei. Sie schreibt: "Ich Elena Klassen (geb. Dick), geboren 1964 in Fergana, Usbekistan, UDSSR. Bin verheiratet, habe eine Tochter, die mir bei meiner Recherchen und Schreiben mit Korrekturen und guten Rat immer bei Seite steht. Bin 1991 mit meiner Familie nach Deutschland gekommen und wohne in Petershagen, Nordrein-Westfalen. Arbeite als Postbote bei der Deutsche Post AG. Vor ca. 10 Jahren habe ich für mich eine Leidenschaft für unsere Geschichte entdeckt. Meine Ahnen stammen aus Südrussland (Lindental, Schönwiese) und Aulie-Ata, Turkestan. Meine Generation ist eine Verbindung zwischen Kindern und Grosseltern, zwischen Gestern und Morgen. Unsere Aufgabe ist das Wissen unserer Urväter festzuhalten und weiter an die nächsten Generationen zu vermitteln. Die Nachkommenschaft darf diesen "Ariadnefaden" nicht verlieren. Die entstehenden Lücken können nie wiederhegestellt werden. Unsere Pflicht ist das Interesse an unserer Geschichte an die weiteren Generationen zu erben." Email: anklassen (AT) t-online (PUNKT) de
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